Interviewpartnerinnen: Fria Elfen, Miriam Herlicska,
Paula Molin-Pradel, Beatrix Rehm, Petra Schmögner, Elisabeth
Schwarzl, Helene Tiwald
Musikalischer Support: Rainer Paul
Lichtdesign: Alfred Masal
Technik, Ton und Video: Mario Horvath, Georg Müllner
Bauten: Herbert Polzhofer
Transkription der Interviews mit Mitwirkenden: Maria Racz
Büro und Presse: Lisa Baumann, Wolfgang Spitzmüller
Interview mit Peter Wagner
über "Das Cosima Panorama"
Maria Racz: Der erste Teil von „Das Cosima Panorama“
besteht aus einem Monolog Cosimas. Wie wird daraus ein szenisches
Stück?
Peter Wagner: Prinzipiell ist alles, was in der Beziehung zwischen
Darsteller und Publikum passiert, so etwas wie ein Stück, ein
Stück Kommunikation und – was für das Theater entscheidend
ist - Kommunion. Für mich als Regisseur, der sich selbst ja
auch als Autor im Hintergrund hat, ist es darüber hinaus wichtig,
das auf die Bühne zu bringen bzw. zu verstärken, was für
mich das dramatische Erlebnis in seiner orginären Voraussetzung
ausmacht: den Konflikt, sei er komisch oder tragisch oder komisch
und tragisch zugleich angelegt. Im Fall des Theatertextex von Katharina
Tiwald wäre es durchaus denkbar, dass sich eine Darstellerin
auf die Bühne setzt und ihn mit dem Publikum verhandelt, wie
er ist. Mir selbst wäre das zu wenig, oder sagen wir: ich habe
von vorne herein große Lust, einen Text auch noch auf anderen
Ebenen der Darstellung und Ausformung zu durchleuchten, denn tatsächlich
besteht ja Theater auch aus Techniken, die allesamt das Zeug dazu
haben, uns in die suggestiven Ebenen einer Person, einer Szene,
einer dramatischen Handlung zu entführen: Licht, Ton / Musik,
visuelle Medien – und das Zusammenspiel mit anderen Genres
der Bühnenkunst. Katharina selbst hat ja schon durch die zweite
Ebene, die sie dem Stück konzeptionell verordnet, nämlich
Interviews im Sinne der „oral history“, angedeutet,
dass das Stück eine bzw. mehrere weitere Spielebenen besitzt
bzw. besitzen soll, und es ist ja auch schon aus dem Titel erkennbar,
dass die Thematik des Stücks (nicht des von ihr verfassten,
fiktionalen Textes!) sich nicht nur auf eine Person, in diesem Fall
auf die Liszt-Tochter Cosima beziehen soll, sondern auf einen ganzen
Fächer, der durch die Interviews mit Frauen der Gegenwart sich
entfalten soll. Schon in der Begegnung zwischen zwei einander völlig
fremden Vermittlungsebenen, nämlich hier der fiktionale Text,
dort die aufgezeichnete Sprache und das Konterfei real existierender
Personen, birgt das für das Theater Unabdingbare, nämlich
den Konflikt. Aber nicht nur das: so habe ich – auch weil
ich das Vertrauen von Katharina nach bereits zwei andereren Inszenierungen
ihrer Texte besitze - vier weitere Figuren in die Dramaturgie des
Stückes eingefügt, die allerdings ganz eng mit der Hauptfigur
verknüpft sind. Streng genommen sind es Versatzstücke
von Cosima, Dämonen ihres eigenen Innenlebens. Ich werde, ganz
im Sinne der Traumtheorien Freuds, das Konzept so anlegen, dass
sich über das Zusammenspiel der Figuren, die sich im tänzerischen
und musikalischen Bereich bewegen, das traumatische Seelengefüge
der Cosima Wagner als ein umfassend gedachtes psychisches Erlebnis
erzählt.
Maria Racz: Für das Klagenfurter Ensemble hast du heuer
ein Stück über Tina Modotti inszeniert. Diese stellt einen
krassen Gegensatz zu Cosima dar – sie lebte ihre künstlerische
Ader aus, war eine Linke, wie es im Untertitel heißt „eine
Frau mit Rouge auf den Fäusten“. Wie siehst du nun Cosima,
wie sieht sie neben Tina Modotti aus?
Peter Wagner: Ja, es ist in der Tat eine interessante Begegnung,
die ich im Laufe eines Jahres mit zwei Frauengestalten des vorletzten
und letzten Jahrhunderts über den stets erkenntnisreichen Umweg
des Theaters hatte. Einerseits könnten die beiden Frauen unterschiedlicher
gar nicht sein, andererseits finden sich aber auch einige Parallelen.
Wobei mich eigentlich mehr die Parallelen interessieren, obwohl
die eine eine ausgemachte Antisemitin und schließlich auch
Faschistin war, die den Nazis den kulturpolitischen Teppich über
das Weihefestspiel Bayreuth auslegte, die andere eine glühende
linke Revolutionärin, die sich nach ihrer Karriere als Hollywood-Starlet
und Fotokünstlerin dem Stalinismus verschrieb und somit ebenfalls
in einem totalitären Symstem landete, von dem sie dann ja vermutlich
auch exekutiert wurde, zumindest mentalitär. Für mich
sind bei beiden Frauen wenigstens zwei markante Analogien vorhanden,
die, wie ich meine, tief in Kraft und Schicksal weiblicher Biographien
der vergangenen 150 Jahre greifen: einerseits die große künstlerische
Begabung, der eminente Drall zur Kunst, den die eine unterdrückt,
die andere zunächst zwar auslebt, um ihn dann aber ebenfalls
zu unterdrücken und nicht einer Person – wie Cosima -,
sondern einer Idee, dem Kommunismus, zu opfern. Beide haben sich
also zu Handlangern ihrer weltanschaulichen,
durchaus von Männern entworfenen Konzepte gemacht
und dabei ihr tiefstes Eigenes der Verkümmerung preisgegeben.
Hier wäre ein Spagat zu ziehen zwischen der Größe
solch eines Opfers und dem Fanatismus ihres Kampfes um eine aus
ihrer je eigenen Sicht idealen Welt. Die zweite markante Analogie,
die ich sehe, ist zweifelsohne der Preis, den beide für ihr
Selbstopfer zahlten: eine fast greifbare Einsamkeit, über die
bei Cosima zwar die große Inszenierung Bayreuth und die Inszenierung
der Wagner-Familie hinwegtäuschen könnten, bei Tina Modotti
ihre scheinbare Eingebundenheit in internationalistische, revolutionär-familiäre
Strukturen. Und doch kann man ihre Einsamkeit fast mit Händen
greifen, eine Einsamkeit, die darin besteht, dass exzeptionelle
Charaktere, die sie waren, die Selbstverleugnung, den sich auf sich
selbst beschränkenden mütterlichen bzw. analog dazu revolutionären
Dienst, den dienenden Duktus mit dem Grundgefühl des Verrats
bezahlen, mag es sich offen äußern oder sublimiert in
teils absurd heroischen Begängnissen. Ich spüre jedenfalls,
wie sich da zwei Frauen gerade durch ihre Selbstverleugnung in eine
Art seelische Isolation oder auch Melancholie manövrieren.
Besonders tragisch wird das natürlich dann, wenn – wie
bei Cosima - dieses Vereinsamen auch noch im Sinne des Dienstes
am Genie eines anderen vor sich selbst gerechtfertigt wird.
FOTOS PREMIERE 31. Dezember 2011: Christian Ringbauer
Statement zu "90 Jahre
Burgenland - Ein jubilierendes Land im Dialog" von Peter Wagner
Abschlussdreh
"Die Eros Kadaver Show" 6. August 2011: Schlussdreh
am Friedhof Hagensdorf-Luising. Die eine Hälfte des Gottesackers
gehört den Hagensdorfern, die andere den Luisingern. Auch die
(männliche) Leiche ist zweigeteilt: den Kopf tragen zwei Frauen,
den Körper vier Uniformierte. Bestattung in Form und Inhalt
wurde versprochen ...
Offenes Haus
Oberwart: Bastion voller Kämpfer Der neue Vorstand rund um Regisseur Peter Wagner will dem
OHO wieder mehr öffentliches Gewicht verleihen.
Team: Wagner (li.) ist neuer Obmann, Masal bleibt Geschäftsführer
Die Persönlichkeit des Hauses könne sich
durchaus etwas verändern und einen neuen Schliff bekommen.
Selbstbewusst und kämpferisch präsentieren wir uns, als
Antipode zur Hochglanzkultur", erklärt der neu gewählte
OHO-Obmann Peter Wagner im KURIER-Gespräch.
Vorstand
Der Regisseur und Schriftsteller war schon bei der Gründung
des Jugendhauses in den 80er Jahren dabei, seit Sonntag leitet er
den achtköpfigen Vorstand des Offenen Hauses. Er will das OHO
wieder verstärkt in den öffentlichen Diskurs einbinden,
mit den "spielerischen Mitteln der Kunst".
Ein Hauptaugenmerk solle auf Theatereigenproduktionen liegen. "Beim
Fördergeber muss ein Verständnis für Theater geschaffen
werden, auch wenn Eigenproduktionen viel Geld kosten", sagt
Wagner. Junge Autoren aus der Region würde es genug geben,
die auch große Stücke schreiben können, wie Katharina
Tiwald oder Clemens Berger.
Aber auch die junge Musikszene soll wieder verstärkt ans Haus
gebunden werden. "Dazu haben wir Georg Müllner im Vorstand,
der selbst Musiker ist und Bassist bei der Band Cameron war",
erklärt Wagner. In Sachen Galerie und bildende Kunst seien
im Vorstand der Künstler Wolfgang Horwath und Marianne Mészáros,
die Erfahrungen im Kunstmarketing mitbringt, vertreten. Allgemein
sieht Wagner in der neuen Besetzung des Gremiums "einen qualitativen
Sprung".
Die Geschäftsführung wird weiterhin Alfred Masal inne
haben. Finanziell stehe das Haus gut da. "Kultur ist das Luxusgut
einer Gesellschaft", erklärt Wagner, ohne Förderungen
würde es nicht gehen. Die etablierten Schienen wie die Tanz-
und Filmtage oder die Buchwoche würden weiterhin bestehen.
"Für mich ist das OHO nicht nur ein gewachsenes Juwel
mit einer soliden Struktur, sondern geradezu eine Bastion trotzigen
Beharrens auf dem je Eigenen der Kunst - und das ist gerade deshalb
so reizvoll, weil sich diese Bastion mitten in der Provinz erhebt",
sagt Wagner. Für die kommenden zwei Jahre werden Wagner und
sein Team die Geschicke des Offenen Hauses leiten.
Roland Pittner, Kurier, Burgenland-Ausgabe, 22.
Juni 2011
18 Märchen von Peter Wagner drapieren
einen Rad- und Wanderweg durch vier Orte der Wart im Südburgenland
Grafische Gestaltung: Eveline Rabold
Um die Wart kreisen zahllose Geschichten, die sich
wie von selbst erzählen: aus steinernen Bäumen, lebendigen
Flüssen, träumenden Häusern ... Hier verzahnt sich
die Poesie des einst einsamen Landstrichs an der Pinka mit spannenden
Fakten einer bewegten Geschichte und Wissenswertem über die
Natur: auf viersprachigen, interaktiven Schautafeln, die an den
21 Stationen des gemütlichen und familienfreundlichen Rad-
und Wanderwegs "Lebenswart" zu bestaunen sind.
Der Erlebnisweg führt durch die Gemeinden Oberwart,
Unterwart, Rotenturm und Oberdorf - eine Gegend, die sich ganz besonders
durch ihre Vielsprachigkeit auszeichnet. Seit Jahrhunderten leben
hier Deutsch, Ungarisch, Kroatisch und Roman ganz selbstverständlich
Seite an Seite. Diese gelebte Mehrsprachigkeit und die bewegte Geschichte
der Region bilden den Mittelpunkt des poetischen Erlebnisweges.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin von Film und
CD: 2011
Dass nicht am Ende deiner Zeit
Der Sexus des Todes
Das Beste aus deinem Leben schöpft
Mit zarter Hand in dich greift
Und deine Haut mit dem Weiß der Ungeborenheit bestreicht
In der du erwachst, um zu wachsen
Und zu wachsen und zu wachsen allein ...
Nachwuchs für "Die Burgenbürger": folgende
zwei Videos sind ab sofort über YouTube abzurufen. Bitte die
Fotos anklicken!
Weiter unten finden Sie, neben einem Offenen Brief an den Landeshauptmann
von Burgenland, sämtliche bisher erschienenen Rezensionstexte
zu "Die Burgenbürger".