Burgenländische Landeshymne. Eine Erregung

Abend
APA 112-KU
Streit um Parodie auf burgenländische Landeshymne – EISENSTADT,
19.8.1981 (apa) – Eine vom burgenländischen Nachwuchsschriftsteller
Peter Wagner verfasste Parodie auf die burgenländische Landeshymne
erregt zur Zeit die Gemüter in Österreichs jüngstem
Bundesland. Kritisiert wird aber weniger die respektlose Textierung – „mein
heimatvolk, mein heimatland, dem arsch der welt verbunden“ lauten
z.B. die ersten zwei Zeilen, in der weiteren Folge heißt es
dann: „du bist gestählt ganz wie beton aus kirche, suff
und pendlersfron“ –, sondern vielmehr die Tatsache, dass
diese „Beleidigung aller Burgenländer“ mit Billigung
und finanzieller Förderung der Kulturabteilung der Landesregierung
erschienen ist.
Peter Wagners Parodie auf die Hymne ist ein Beitrag zum 299 Seiten
starken Sammelband „Hat Heimat Zukunft?“, in dem 29 Autoren,
darunter auch Peter Turrini, Stellung nehmen. Das von der Kulturabteilung
subventionierte Buch erschien aus Anlass der Mattersburger Kulturtagung
der österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik im
Juni 1981.
Empfindliche Seelen fühlen sich verhöhnt und verspottet,
Kulturreferent Landesrat Dr. Gerald Mader, der nach Meinung eines
besonders erbosten Burgenländers sogar zurücktreten sollte,
nimmt die Angriffe gelassen hin: „Ich werde weder Kultur verordnen,
noch den Zensor spielen“, erklärte er. Er wisse, dass
es immer konservative Kräfte gebe, die sich mit einer liberalen
Kulturpolitik schwer tun. Mader verweist dabei auf das „Schicksal“ des
steirischen Kulturpolitikers Univ. Prof. Dr. Hannes Koren, der wegen
des „steirischen herbstes“ aus dem eigenen Lager als „Sittenverderber“ angegriffen
worden sei. Im Übrigen sei er, Mader, jederzeit bereit, das
Thema „Literatur und Freiheit“ im Rahmen einer gesamtösterreichischen
Tagung im Burgenland zu behandeln. Bei dieser Tagung könnten
alle zu Wort kommen. (Schluss) sk
APA 112 1981-08-19/12:12

Kultur, die alle Welt beleckt…
Der burgenländische Alternativliterat Peter Wagner hat seinem
Heimatland zum 60. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht.
Gezeichnet von »gnadenlosen Provinzalltagen mit ihren gesellschaftlichen
Zwängen und undurchdringlichen kleinbürgerlichen Moralvorstellungen«,
hat er aufgeschrie(b)n. Herausgekommen ist »halt etwas Provokantes«.
Seine eigenartige Version der Burgenländischen Landeshymne wird
von den zahlreichen Kritikern als Beschimpfung und Heimatlästerung
verurteilt, für Wagner selbst ist sie eine Parodie, ein Kunstmittel.
Zweifellos findet sich der Bogen der Konvention bis zum Brechen überspannt,
wenn Peter Wagner das Burgenland mit dem Arsch der Welt verbindet.
Zweifellos ist der Südburgenländer im ersten Zorn blind
gegenüber Schönem und Positivem im Lande (man darf gute
und schlechte Linsen nicht in einen Topf werfen). – Aber so
ganz Unrecht hat er leider nicht. Die Parteibuchwirtschaft wird auch
von Politikern zugegeben. Die heiligen Technokraten der Raumplanung
etwa sind erst jüngst vom Rechnungshof ihres Heiligenscheins
beraubt worden. Ausverkauf der Natur: bitte schauen Sie sich das
Baulos »Sieggraben« der neuen Schnellstraße an.
Und die Verschacherung des Landes fällt anscheinend nur den
jungen Menschen auf.
Feinfühlendere Naturen hätten wahrscheinlich nach schöneren
Worten gerungen (und sie auch gefunden). Peter Wagner provoziert
bewusst (nicht nur, weil er sich von höchster Kulturstelle dazu
eingeladen fühlt). Das ist sein (Un?)Stil. – Es bleibt
zu hoffen, dass jene (durchaus legitimen) Kritiker, die sich an Peter
Wagners Worten stoßen, sich auch an den Missständen in
der Heimat Burgenland stoßen …
Kulturlandesrat Dr. Mader hat viel Mut bewiesen, indem er die Landeshymne
des Alternativliteraten auf Kosten der Steuerzahler veröffentlichte.
Wir wünschen ihm ebensoviel Mut, dass er darangehe, die wie
Pilze aus dem Sumpf geschossen »Dandies der burgenländischen
Hochkultur« auf jenes Ausmaß einzudämmen, das Bauern
und Pendlern nicht mehr zum Hohne gereicht.
R. L., MAULWURF

»Audiatur et altera pars«
Diesem Grundsatz der Demokratie folgend, haben wir Peter Wagner
eingeladen, seinen Kritikern zu antworten:
Neuhaus, am 23.8. 81
Lieber Rupert,
Dankeschön für den Brief und für das Angebot.
Ich kann mich allerdings nicht so recht mit dem Gedanken anfreunden,
etwas und schon gar etwas Rechtfertigendes über diese meine
Landeshymnenversion zu schreiben. Als besessener Kulturaktivist besitze
ich ein gewisses Selbstverständnis, an mir zu Gebote stehende
Aufgaben in einer bestimmten Form heranzugehen, ungeachtet der möglichen
Folgen, würde ich diese im Vorhinein programmieren oder meine
Arbeit ganz nach Ihnen ausrichten, wäre dies der erste Schritt
zur Korruption.
So hat es mich denn auch überrascht, wie wütend die Reaktionen
zum Teil ausgefallen sind. Im Nachhinein verwundern Sie mich allerdings
nicht mehr: Gerade bei uns im Burgenland wurde von Politikern aller
Farben ein gewisses Heimatethos gefördert (Nachzügler-
und Aufholertum), das die Burgenländer in Verbindung mit gewissen
gesellschaftlichen Diskriminierungen (Burgenländerwitz, Pendlertum,
Benjamindasein) auf jegliche Verspottung sehr empfindlich reagieren
lässt. Eigentlich ein sehr deutliches Zeichen dafür, dass
die tatsächliche, so oft zitierte Emanzipierung des Burgenlandes
(was ist diese Emanzipierung überhaupt bzw. was soll sie bedeuten?)
nur in den Köpfen narzistischer Landeshauptleute existiert.
Im Übrigen möchte ich darauf verweisen, dass Satire, Parodie,
Pamphlet uralte literarische Kunstmittel sind, derer ich mich als
literarischer Handwerker mitunter halt so bediene. Und wenn es wirklich
stimmt, was man so sagt und schreibt, dass unser Kulturlandesrat
auf diese »Parodie« hin eine Tagung zum Thema »Freiheit
in der Kultur« bzw. »kulturelle Freiheit« veranstalten
will, dann hat das Ganze schon mal einen Sinn gehabt. Obwohl ich
andererseits den Sinn solcher Tagungen bezweifeln möchte. Aber
das führt in eine zu grundsätzliche Diskussion, als dass
ich sie hier anreißen möchte!
Alles andere, was zur »Landeshymne« noch zu sagen wäre,
findest du im ebenfalls abgedruckten Briefwechsel mit Frau Klara
Köttner-Benigni. Leider ist auf den bis jetzt noch immer vergessen
worden, aber wahrscheinlich ist er auch nicht so wichtig. Wichtig
erscheint mir hingegen hinzuzufügen, dass ich mich seit meinen
Anfängen als Schreiber immer wieder in verschiedener Form mit
dem Burgenland auseinandergesetzt habe. Das Buch, das jetzt im September
erscheint, dokumentiert einen Teil dieser Arbeit.
Grüße an die Redaktion
Peter Wagner
MAULWURF

Tagebuch
„Kirche, Suff und Pendlersfron“
„Mein Heimatvolk, mein Heimatland, dem Arsch der Welt verbunden“:
Mit diesen Worten hebt eine Parodie auf die burgenländische
Landeshymne an, die so manchem patriotischen Burgenländer die
Zornesröte aufsteigen lässt. Verfasser dieser Zeilen ist
ein Nachwuchsschriftsteller aus Österreichs jüngstem Bundesland.
Peter Wagner. „Du bist gestählt ganz wie Beton, aus Kirche,
Suff und Pendlersfron“, lautet weiter der Versuch einer parodistischen
Charakteristik, die in einem Sammelband anlässlich der Mattersburger
Kulturtagung der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik
bereits im Juli dieses Jahres erschienen ist. Der burgenländische
Nachwuchsschriftsteller ist in dem Band mit dem fragenden Titel „Hat
Heimat Zukunft?“ übrigens in Gesellschaft von 28 Mitautoren,
unter ihnen auch Peter Turrini, zu finden.
Auf konservativer Seite, wo man bekanntlich für Kunstversuche
wenig Interesse aufbringt, versucht man – erst durch einen
Leserbrief in einer burgenländischen Zeitung aufmerksam geworden –,
die „Beleidigung aller Burgenländer“ politisch auszuschlachten.
Die Kulturabteilung der Landesregierung, erbost man sich, habe solches
auch noch finanziell unterstützt. Indem sie diesen Sammelband
herausgebracht hat.
Der zuständige Landesrat, Gerald Mader, bleibt gelassen: „Ich
werde weder Kultur verordnen noch den Zensor spielen“, pariert
er erbitterte Angriffe, und fügt hinzu: Er wisse, dass es immer
konservative Kräfte gibt, die sich mit einer liberalen Kulturpolitik
schwer tun.
Mader schlägt nun eine gesamtösterreichische Tagung im
Burgenland zum Thema „Literatur und Freiheit“ vor, bei
der alle – auch Gegner von Parodien, wie sie Peter Wagner verfasste – zu
Wort kommen. Eine Reaktion auf dieses Angebot lässt noch auf
sich warten.
Ilse Brandner-Radinger, AZ

Nebenbei
Unter diesem Titel erschien in der BF ein Kommentar zum 60. Geburtstag
unseres Landes.
Fast zur gleichen Zeit versandte Landesrat Dr. Mader ein von der
Kulturabteilung herausgegebenes – und von den burgenländischen
Steuerzahlern bezahltes – Buch zu dem selben Thema. In diesem
Buch schreibt ein „Dichter“, der sich selbst als intellektueller
Randalierer bezeichnet, wobei intellektuell sicherlich ein starkes
Eigenlob ist, seine Version von der Landeshymne.
Hier heißt es ganz offizielloffensiv: „mein heimatvolk,
mein heimatland dem arsch der welt verbunden… du bist gestählt
wie ganz beton aus kirche, suff und pendlersfron“.
Mag sein, dass manche progressive Kämpfer an der Kulturoffensive
diese Verschandelung und Verhöhnung der Burgenländischen
Landeshymne als moderne Literatur ansehen.
Das ist Geschmacksache. Die überwiegende Mehrheit der Burgenländer
lehnt diese Art von „Kultur“ ab.
Man könnte das ganze als Privatsache eines Schreiberlings abtun,
wenn nicht das Geld für diese Tätigkeit vom sozialistischen
Landeskulturrat Dr. Mader eben aus der Tasche der überwiegenden
Mehrheit genommen und für solche Beleidigungen weitergegeben,
oder wie es im sozialistischen Polit-Sprachgebrauch heißt,
umverteilt wird.
BVZ

VP-Landesparteisekretär Jellasitz:
Landesrat Mader informiert nicht richtig
Zu dem umstrittenen Beitrag in einem burgenländischen Buch,
wo die Landeshymne abgeändert und die Burgenländer damit
beleidigt werden, dass unser Land als „Arsch der Welt“ bezeichnet
wird, erklärte LPS Jellasitz, dass sich Landesrat Mader streng
genommen strafbar gemacht hat:
- Hätte LR Mader als Rechtsanwalt wissen müssen, dass
eine Abänderung der Landeshymne laut Paragraph 248 Strafgesetzbuch
verboten ist.
- Hätte die Kulturabteilung der Landesregierung, deren Chef
Landesrat Mader ist, von sich aus lt. Paragraph 84 des Strafgesetzbuches
einschreiten und eine derartige Verhöhnung und Beschimpfung
unserer Landeshymne verhindern müssen.
- Hätte Landesrat Mader einen derart unflätigen und pietätlosen
Beitrag in diesem Buch nicht mit Steuergeldern fördern dürfen.
„Es ist diesem Künstler und Landesrat Mader vorgehalten
geblieben, im Jubiläumsjahr des Burgenlandes alle Landsleute
zu brüskieren. Wenn sich Landesrat Mader darauf ausredet, dass
er die Künstler nicht zensurieren will, informiert er nicht
richtig, weil hier eindeutig strafbare Tatbestände vorliegen.
Unsere Menschen müssen sich dafür, dass mit ihrem Steuergeld
so genannte ’Kursbeiträge’ finanziert werden, nicht
auch noch beleidigen lassen.
Wir fordern LR Mader auf, mehr Sorgfalt und Korrektheit in seinem
Amt walten zu lassen“, erklärte der ÖVP-Landesparteisekretär.
Am 12. und 13. Oktober treffen sich alle VP-Mandatare zu einer Klausurtagung
und für den 20. Oktober ist es Jellasitz gelungen, den österreichweiten
Kongress über die soziale Marktwirtschaft ins Burgenland zu
bringen. Der burgenländische VP-Wirtschaftssprecher Graf wird
maßgeblich daran mitwirken.
Für den 26. Oktober, den Nationalfeiertag, ist wiederum eine „Aktion
Danke“ geplant. Dabei bedanken sich alle VP-Funktionäre
bei den Burgenländern anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums
für die geleistete Arbeit.
Jellasitz abschließend: „Im November werden wir uns
in einer Woche der Volkspartei selbst präsentieren. Dabei findet
eine breite Palette von Veranstaltungen statt, die die VP als bürgernah
und aufgeschlossen zeigen werden.“
BVZ

„Saubermännern“ eine geknallt
Der „KURIER“ mischte sich – Sensation hin, Sensation
her – in die von der VP-Burgenland vom Zaun gebrochene Auseinandersetzung
um eine Darstellung des burgenländischen Schriftstellers Peter
Wagner bezüglich der burgenländischen Landeshymne. Kein
Wunder: „KURIER“-Mitarbeiter Reinhard Wenzel wurde mit
81-09-01 Chefredakteur der VP-Burgeland-Postille; seine Sporen verdiente
er sich – wie man heute weiß – bei der fadenscheinigen
Abwahl des Oberwarter Bürgermeisters Ernst Schmaldienst durch
eine machtbesessene Gruppe. Gleichzeitig kann (und wird) Reinhard
Wenzel im „KURIER“ weiterhin zu burgenländischen
Themen Stellung nehmen. Zu bemerken ist allerdings, dass sich der
Kultursprecher der VP-Burgenland, LAbg Josef Schmall, von der Kampagne
seiner Partei distanziert hat, wie er Kulturlandesrat Gerald Mader
wissen ließ. Klara Köttner-Benigni, die die Redaktion
des Sammelbandes „Hat Heimat Zukunft“ besorgte, der auch
Peter Wagners zeitkritischem Beitrag Raum gab, wandte sich an den
Chefredakteur des „Kurier“. Die OZ gibt diesem Schreiben
vollinhaltlich Raum. Vorweg noch: Erfreulich, dass es in unseren
Tagen noch Politiker mit Rückgrat gibt, wie Gerald Mader. Der
die Giftpfeile auffängt, nicht andere besudeln lässt und
klarmacht, dass er für die Freiheit des Geistes eintritt.
Sehr geehrter Herr Chefredakteur,
Frau oder Herr gro- lässt sich in ihrer Nummer vom 20. ironisch über
die „verhunzte Landeshymne“ aus, die burgenländische
nämlich, und darüber, wie empört man im Burgenland über
die Parodie ist. Nach der, ach so schrecklichen, Zeit der Burgenlandwitze,
die so vielen unerhörte Kränkung gebracht hat, lacht man
nun schon wieder über uns. Und über die aus Ihrem Artikel
hervorgehenden beleidigten Reaktionen im Land erst recht!
Dabei ist die Geschichte gar nicht zum Lachen. Wo sind die Zeiten,
in denen die hungernden, gedemütigten Österreicher noch
Humor genug hatten, die Bundeshymne ihrer 1945 glücklich wiedererstandenen
demokratischen Republik zu „verhunzen“ als „Land
der Erbsen, Land der Bohnen, Land der vier Beatzungszonen…“?!
Wie glücklich waren die Österreicher, bei einer Hymne nicht
mehr strammstehen und nicht mehr den rechten Arm in einem bestimmten
Winkel hochrecken zu müssen!
Wo also beginnen wir Demokraten künftig mit der Zensur?!?
Es gab in den Beiträgen für die damals bevorstehenden
Mattersburger Kulturtagung zum Thema Heimat, für die der Band
als Diskussionsgrundlage von mir zusammengestellt worden ist, noch
brisantere, be-denk-lichere Äußerungen als die Wagners.
Aber diese haben die gekränkten Patrioten entweder nicht gelesen
oder nicht verstanden.
Bei den Friedensverträgen nach dem Ersten Weltkrieg wurde Österreich
als der „Rest“ der ehemaligen Monarchie bezeichnet, als
etwas wie der für andere nicht mehr verwertbare Abfall oder
Mist, dem die Daseinsberechtigung abgesprochen und dessen Lebensfähigkeit
selbst von den Österreichern bezweifelt wurde. Und mit diesem – ich
zitiere Wagner – „Arsch der Welt“ wurde der arme
westungarische Grenzstreifen als Burgenland verbunden.
Österreich blühte auf. Hoffentlich auch weiterhin. Aber
dass hier diese schmutzige Kampagne gegen einen redlichen Landespolitiker
wie Gerald Mader entstehen konnte, zeigt, dass es zu einem stinkenden
Dreckhaufen zu werden droht, in dem, wie zu Zeiten unseliger Erinnerungen,
Saubermänner herumstieren.
In einer Festschrift zum Jubiläum des Burgenlandes hätte
die Wagnersche Parodie nichts verloren. Als unbequemer Diskussionsbeitrag
für eine Tagung war sie zu tolerieren. Wer wegen solcher Toleranz
nach dem Kopf des burgenländischen Kulturlandesrates schreit,
will, bewusst oder unbewusst die Diktatur. – Nicht Worte, nicht
Hymnen, nicht Tabus sind vor allem zu verteidigen, sondern – und
dies kompromisslos – der Geist!
Es wäre nett von Ihnen, wenn Sie meine Stellungnahme an die
beleidigten Herrschaften, nämlich Ihre Informanten, weiterleiten
würden, die am passenden Ort, bei der Mattersburger Kulturtagung,
als Diskutanten auftreten zu hören, ich trotz ständiger
Anwesenheit leider nicht das Vergnügen hatte.
Mit freundlichen Grüßen
Klara Köttner-Benigni (Herausgeberin für die Burgenländische
Landesregierung)
OZ (Oberwarter Zeitung)

Mader: „Ich zensuriere nicht!“
Wer sich zur Freiheit des kulturellen Schaffens, die im Burgenländischen
Kulturförderungsgesetz verankert ist, bekenne, müsse dies
eben aushalten. Er sei aber jederzeit bereit, alle damit zusammenhängenden
Fragen aus diesem Anlass in einer gesamtösterreichischen Tagung
im Burgenland mit dem Thema „Literatur und Freiheit“ zu
behandeln, bei der all zu Wort kommen können.
Abschließend erinnerte Landesrat Gerald Mader daran, dass
der bei der österreichischen Kulturtagung in Mattersburg allseits
gelobte und 299 Seiten dicke Sammelband „Hat Heimat Zukunft“ die
Beiträge von 29 Autoren zu einem aktuellen Thema enthalte. Vielleicht
wäre es sinnvoller, sich mehr mit diesen Beiträgen als
mit den beanstandeten vier Zeilen Peter Wagners zu befassen.
Peter Wagners Text: „mein heimatvolk, mein heimatland, dem
arsch der welt verbunden, du bist gestählt wie ganz beton aus
kirche, suff und pendlersfron“.
„Ich werde als Kulturreferent weder Kultur verordnen, noch
den Zensor spielen“, erklärte Kulturlandesrat Gerald Mader
zu der von VP-Seite erhobenen Kritik, dass in dem von der Kulturabteilung
subventionierten Sammelband „Hat Heimat Zukunft“ auch
eine Parodie Peter Wagners über die Landeshymne aufscheine.
Er wisse – so Mader – dass es in einer konservativen
Partei immer Kräfte gebe, die sich mit einer liberalen Kulturpolitik
schwer tun. So wurde selbst der steirische VP-Kulturpolitiker, Landtagspräsident
Universitäts-Professor Hannes Koren aus dem eigenen Lager wegen
des Steirischen Herbstes als „Sittenverderber“ angegriffen.
Vor kurzem hatten Kulturjournalisten in Bayern ihre Not, weil der
Bayrische Rundfunk eine sehr deftige Parodie zur bayrischen Landeshymne
ausgestrahlt hatte.
Mader: „Ich glaube aber nicht, dass die ernst zu nehmenden
Kulturpolitiker der burgenländischen ÖVP diese Linie vertreten“.
OZ (Oberwarter Zeitung)
Aktionen Peter Wagner
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