Textauszug
Die
Schwarze Kaiserin / I kali tschasarkija
Nach einem alten Zigeunermärchen in Deutsch und Roman
Stück und Idee: Peter Wagner
Musik: Jan Sokol

ERZ 1: Und die Schwarze Kaiserin sagte noch: „Den werde ich
nicht alleine essen.“ Da sagte der schwarze Kaiser: „Meine
liebe Gemahlin, wir wollen ihn nicht so richten, er soll nicht geschlachtet
werden.“
ERZ 2: („Warum nicht?“) „ Soske na?“
ERZ 1: „Warum nicht?“ fragte sie. Da antwortete der
Kaiser: „Ach, wir geben ihm eine Strafe, wenn es ihm gelingen
wird, die Aufgabe zu lösen, die wir ihm stellen, so soll er
für diesmal dem Tod entrinnen, und wir werden mit ihm nichts
weiter zu schaffen haben.“ Die Kaiserin war nicht ganz damit
einverstanden, doch sie sagte zu dem Kaisersohn:
ERZ 2: („Du kannst nochmals mit dem Leben davonkommen, ich
will dir diesmal verzeihen“) „ Tu schaj meg jefkar tro
dschivipe dschis, me tuke meg jefkar fadav.“
ERZ 1: Sie sagte: „Wenn du die Aufgabe nicht löst, werde
ich dich mit Haut und Haaren fressen.“ Und dachte: „Und
doch werde ich dich fressen.“
ERZ 2: („Und doch werde ich dich fressen.“) „Ham
me tut ha.“
ERZ 1: Da sagte der Kaiser: „Wisse, weshalb du diese Aufgabe
erhalten hast: weil dich der Erdboden verschlungen hat; denn die
Erde meint es gut mit mir, damit ich immer etwas zu essen habe. Doch
ich darf dich noch nicht fressen, bevor du nicht die Aufgabe zu lösen
versucht hast.“
ERZ 2: („Schön“) ... „Schukar“....
ERZ 1: „Schön“, sagte der Knabe unerschrocken, „welche
Aufgabe stellst du mir denn?“
ERZ 2: („Welche Aufgabe stellst du mir also?“) „Saj
buti tuke iste kerav?“

ERZ 1: „Du sollst sie gleich hören: Kannst du einen ganzen
Wald von Bäumen schlagen? Ich werde ihn dir zeigen, du hast
aber nicht viel Zeit dazu, vom Morgen bis zum Abend mußt du
alles zu Holzscheiten zerhackt haben, und 1500 Ar ist der Wald groß.“ Man
gab ihm ein völlig stumpfes Beil in die Hand.
ERZ 2: („Gut, ich will es schaffen.“) „Latscho,
me dschana le te kerel.“
ERZ 1: „Gut, ich will es schaffen“, erwiderte der Junge
dem Kaiser. Der Kaiser brach wieder nach Hause auf.
ERZ 2: (Da war nun der Knabe allein, er stellte sich vor den Wald, überschaute
die Riesenaufgabe und weinte angesichts der Unmöglichkeit, die
Aufgabe zu lösen.) Taj akan o fatschu korkor sina, ov anglo
vesch pe terdschartscha, upri pri bari buti dikla, taj sar dikla
hot i buti na dschanla te kerel, te rol kesdintscha.
ERZ 1: Zuerst versuchte er es mit dem Beile, aber wie er den ersten
Hieb tat, da zerbrach der Stiel, und die Axt blieb zur einen Hälfte
im Stamme, zur anderen Hälfte lag sie zerbrochen am Boden. Von
dem kräftigen Schlage wurde der Knabe zur Erde geschleudert.
Er weinte nun bitterlich, da er einsah, daß jeder weitere Versuch
vergeblich wäre; er schien unrettbar verloren.
ERZ 1: Schon war die zwölfte Stunde herangekommen.
ERZ 2: (Es war Mittagszeit.) Planeskero sina.
ERZ 1: Der Kaiser hatte den Jungen aber nicht vergessen, er schickte
ihm Essen; denn er sagte sich, wer arbeitet, der muß auch essen.
ERZ 2: (Wer aber sollte dem Knaben das Essen hinbringen?) Ham ko
akan le fatschuske o habe anla?
ERZ 1: Seine Töchter sollten gehen, sagte er.
ERZ 1: Aber welche von den beiden Mädchen, ...
ERZ 2: Sultana ...
ERZ 1: die große, oder ...
ERZ 2: Dianetta ...
ERZ 1: die kleine?
Dianetta löst sich von Sultana.

ERZ 1: Nun hatte bei der Taufe der kleinen Dianetta der Pate ihr
einen Ring an den Finger gesteckt. Dieser Ring vollbrachte Wunder,
sobald man ihn am Finger herumdrehte. Sultana ganz im Hintergrund.
ERZ 2: (Es war ein wunderkräftiger Ring, der alles erfüllte,
was auch immer man von ihm verlangte.) Sina angrusti tschohanengera
soraha, savi sa kerlahi, so godi latar manglo ovlahi.
ERZ 1: Dianetta wußte, was dem Kaisersohn bevorstand, deshalb
hatte sie Mitleid mit ihm und wollte sich seiner erbarmen. Sie kam
also Scarlat, Scarlat! - so nannte sie den jungen Helden - zu Hilfe.
Denn sie wußte, daß der Kaisersohn die Aufgabe, die man
ihm gegeben hatte, nicht lösen konnte.
ERZ 2: (Aber sie war ja in ihren Scarlat so verliebt.) Ham oj pre
Scarlat afka kamlahi.
ERZ 1: So verliebt war sie in ihren Scarlat.
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