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Textauszug
„Die Kardinälin“
Eine
Ohnmacht
Bühnenmonolog von Peter Wagner
Das ganze Leben lang, immer hatte ich Probleme mit viel zu engen
Schuhen. Der Herr Vater war geradezu erpicht darauf, mir meine Füße
immer in viel zu enge Schuhe zu stecken. Du sollst nicht auf zu großem
Fuße wandeln, pflegte er zu sagen, das ist eitel. Der Herr
Vater. Diese Impotenz vor dem Herrn. Er hat mich seine Impotenz über
die Schuhe spüren lassen! Die Frau Mutter hatte recht, ihn zu
verachten. Abgrundtief. Tödlich. Die Frau Mutter war tödlich.
Absolut. Der Herr Vater zum Tode verurteilt. Zu Recht, vollkommen
zu Recht.
(Erschrickt. Verfällt.)
Was für eine Existenz. Das ganze Leben lang. Schwach. ...
(Verharrt im Schrecken.
Entreißt sich dem Schrecken.
Zärtlich.)
Emmanuel, mein Scheisserchen? Du spielst wieder mit dem Computer,
nicht wahr? Du spielst ganz gewiss wieder mit dem Computer. Verheimlichen
hat keinen Sinn, ich sehe es ja doch! Ich sehe alles! Komm her zu
mir, deinem Bruder, deinem Vater. Ich behüte dich. Empfange
mein Liebe. Meine Gnade. Auf dass du wachsen mögest und stark
wirst. Im Gesetz, das ich dir gebe. Anvertraue. In dem du wachsen
wirst.
(Plötzlich böse, aber vielleicht auch nur gespielt.)
Weg vom Bildschirm, Schluss mit dem Spiel, habe ich gesagt! Du hörst
nicht? Na warte! Ich werde dich bestrafen müssen! Ich werd dir
meine Schuhe überstülpen lassen müssen! Damit du siehst,
wie das ist mit viel zu engen Schuhen! Und ich erwarte dich zur Beichte,
jetzt und hier!
(Mit selbst verordneter Gelassenheit, die sich allerdings bald
umkehrt.)
Herr, vergib mir meine närrische kleine Eifersucht. Was ist
schon dabei. „Die ganze Welt spielt mit dem Computer.“ Seine
Worte, die Worte meines Scheisserchens. Wohin man sieht, überall
Computer. Auch Sodani und der Heilige Vater setzen auf Computer.
Der Computer wird die Frohbotschaft noch in den verstecktesten Winkel
der Welt hinein tragen. Ich bin zu alt dafür. Mit bleibt nur
noch das Gackern der Hühner.
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