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Statements
der österreichischen Parteichefs
anlässlich der Uraufführung des Stücks
"März. Der 24."
Interviews geführt von
P R O F . P A U L B
L A H A
D R . M A D E L E I N E P E T R O V I C (Grüne)
:
Ich fürchte, daß eine Wiederholung derartiger Vorkommnisse schon
möglich ist. Allerdings glaube ich, daß man dem gegensteuern kann,
wenn man sich dessen bewußt ist, was denn derartige Übergriffe
gegen Menschen begünstigt.
Da ist zum einen ein Gruppendruck: daß es offenbar möglich ist,
wenn eine Gesellschaft beisammen ist und wenn irgendwer das Motto ausgibt:
macht Jagd auf die oder die ..., daß es dann denjenigen, die in
dieser Gruppe den Zusammenhalt suchen, offenbar schwer fällt, „Nein“ zu
sagen.
Das heißt, es ist, glaube ich, schon für unsere Kinder wichtig,
zu lernen, „Nein“ zu sagen - wenn irgendetwas angeregt getan
wird, das sich gegen andere Menschen richtet. Und das andere ist die Auseinandersetzung
mit Gewalt überhaupt, mit
Menschen, die als anders empfunden werden. Und daß es auch notwendig
ist, sie endlich als Bereicherung der Gesellschaft zu verstehen und nicht
als Gefahr.
Und auch das muß man lernen: sich damit auseinandersetzen.
Das heißt, ich sehe - damit es nicht wieder passiert - eine Aufgabe
in der Schule, ich sehe eine Aufgabe für die Menschen, die im öffentlichen
Leben tätig sind, für die Künstler, für die Kulturschaffenden
- diese positiven Werte in den Vordergrund zu stellen, und nicht nur mit
dem Zeigefinger zu kommen. Und ich sehe für mich und für die Grünen
die Aufgabe, bessere Gesetze zu machen
D R . H E I D E S C H M I D T (Liberales Forum):
Ich glaube, man muß gar nicht darauf antworten, daß es zu soetwas
nie wieder kommen darf, das steht wohl für jeden Menschen, der diesen
Begriff verdient, außer Frage.
Die Frage ist nur, kann es dennoch wieder
passieren, und da gibt es einen Satz von Primo Levi:
Es ist geschehen, und
es kann daher wieder geschehn. Und ich glaube, daß das
die wichtigste Botschaft ist: denn das Unbegreifliche begreiflich zu machen,
scheint mir nahezu unmöglich. Wenn sie mich fragen: was kann man als
einzelner tun, daß es dazu
nicht wieder kommt, so geht es darum, mit Zivilcourage immer dann aufzutreten,
wenn der Respekt vor dem anderern verletzt wird, denn das ist der Anfang
von allem.
Mit Zivilcourage sich für etwas zu engagieren, auch wenn man
vielleicht noch eine Mehrheit gegen sich hat.
Aktive Toleranz, Respekt vor
dem anderen vorzuleben und vor allem in einem Staat jene Rahmenbedingungen
zu schaffen, daß es ein Miteinander verschiedenster
Art gibt.
Das Anderssein, das Fremdsein nicht nur zu dulden, sondern es schlicht
und einfach als etwas Positives und als etwas Selbstverständliches zu
empfinden.
D R . J Ö R G H A I D E R (FPÖ):
(war zu einer mündlichen Stellungnahme nicht bereit, schrieb uns jedoch:)
1.
Es darf sich nicht wiederholen. Die Warnungen Professor Viktor Frankls
müssen ernst genommen werden. Wenn Politik und Gesellschaft versagen,
ist in jedem Land und gegen jede Gruppe von Menschen gewaltätiger Wahnsinn
denkbar.
2. Die Demokratie stärken, Verhetzung und Ausgrenzung aller Art anprangern,
offenen Dialog fördern, wirtschaftliche und soziale Zerrüttung
des Landes verhindern, keine Toleranz gegenüber der Gewaltbereitschaft
aufkommen lassen.
D R . E R H A R D B U S E K (ÖVP):
Jede Art von Mord kann und darf sich nicht wiederholen und dennoch müssen
wir zur Kenntnis nehmen, daß in der Geschichte alles wiederkommen kann.
Was
können wir tun als Politiker, als verantwortliche Minister:
Ich
glaube, das wirklich wirkungsvollste ist, überall dagegen aufzutretenund
sich nicht einfach zu verschweigen, um nicht später einmal sagen zu
müssen: ich habe nicht rechtzeitig gehandelt, oder, was das Schrecklichste
wäre: ich habe es gar nicht gewußt.
D R . F R A N Z V R A N I T Z K Y (SPÖ):
Zur Kernfrage: Kann sich soetwas wiederholen und ist soetwas überhaupt
jemals wieder möglich, wird man sagen müssen: Es ist niemals ausgeschlossen,
daß nicht der eine oder andere Narr oder der eine oder andere verbrecherisch
Gesinnte oder der eine oder andere Fanatiker, politische Fanatiker, wieder
sein Unwesen treiben kann.
Wir müssen allerdings in allererster Linie dafür sorgen, daß die
Vorraussetzungen nicht wiederkehren.
Politischer Fanatismus entsteht nicht
selten auf Grund dessen, weil bestimmte Gruppen von Menschen in der Gesellschaft benachteiligt werden; weil
sie zurückgestezt werden; weil ihnen die Teilnahme an den gesellschaftlichen
Abläufen, sprich: Arbeit, sprich: Bildung, sprich: Ausbildung, sprich:
Schule, sprich: Familie in irgendeiner Art und Weise verwehrt worden sind.
Daher
ist das natürlich eine Angelegenheit der Politik im Staat, eine
Angelegenheit der Partei, ich spreche von meiner Partei, der Sozialdemokratischen,
aber in vieler Hinsicht eine Angelegenheit aller Menschen, die in diesem
Land leben und die sich zu einem menschlichen Prinzip bekennen
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