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Wolfgang Horwath, Alfred Masal,
Peter Wagner, Walter Davy:
Erste Regiesitzung für
"März. Der 24." am 5.2.1995,
dem Tag des Attentats auf
die Roma von Oberwart.

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Statements der österreichischen Parteichefs
anlässlich der Uraufführung des Stücks
"März. Der 24."

Interviews geführt von
P R O F .  P A U L   B L A H A

 


 

D R .  M A D E L E I N E   P E T R O V I C  (Grüne) :

Ich fürchte, daß eine Wiederholung derartiger Vorkommnisse schon möglich ist. Allerdings glaube ich, daß man dem gegensteuern kann, wenn man sich dessen bewußt ist, was denn derartige Übergriffe gegen Menschen begünstigt. Da ist zum einen ein Gruppendruck: daß es offenbar möglich ist, wenn eine Gesellschaft beisammen ist und wenn irgendwer das Motto ausgibt: macht Jagd auf die oder die ..., daß es dann denjenigen, die  in dieser Gruppe den Zusammenhalt suchen, offenbar schwer fällt, „Nein“ zu sagen.
Das heißt, es ist, glaube ich, schon für unsere Kinder wichtig, zu lernen, „Nein“ zu sagen - wenn irgendetwas angeregt getan wird, das sich gegen andere Menschen richtet. Und das andere ist die Auseinandersetzung mit Gewalt überhaupt, mit Menschen, die als anders empfunden werden. Und daß es auch notwendig ist, sie endlich als Bereicherung der Gesellschaft zu verstehen und nicht als Gefahr.
Und auch das muß man lernen: sich damit auseinandersetzen.
Das heißt, ich sehe - damit es nicht wieder passiert - eine Aufgabe in der Schule, ich sehe eine Aufgabe für die Menschen, die im öffentlichen Leben tätig sind, für die Künstler, für die Kulturschaffenden - diese positiven Werte in den Vordergrund zu stellen, und nicht nur mit dem Zeigefinger zu kommen. Und ich sehe für mich und für die Grünen die Aufgabe, bessere Gesetze zu machen

 


 

D R .  H E I D E   S C H M I D T (Liberales Forum):

Ich glaube, man muß gar nicht darauf antworten, daß es zu soetwas nie wieder kommen darf, das steht wohl für jeden Menschen, der diesen Begriff verdient, außer Frage.
Die Frage ist nur, kann es dennoch wieder passieren, und da gibt es einen Satz von Primo Levi:
Es ist geschehen, und es kann daher wieder geschehn. Und ich glaube, daß das die wichtigste Botschaft ist: denn das Unbegreifliche begreiflich zu machen, scheint mir nahezu unmöglich. Wenn sie mich fragen: was kann man als einzelner tun, daß es dazu nicht wieder kommt, so geht es darum, mit Zivilcourage immer dann aufzutreten, wenn der Respekt vor dem anderern verletzt wird, denn das ist der Anfang von allem.
Mit Zivilcourage sich für etwas zu engagieren, auch wenn man vielleicht noch eine Mehrheit gegen sich hat.
Aktive Toleranz, Respekt vor dem anderen vorzuleben und vor allem in einem Staat jene Rahmenbedingungen zu schaffen, daß es ein Miteinander verschiedenster Art gibt.
Das Anderssein, das Fremdsein nicht nur zu dulden, sondern es schlicht und einfach als etwas Positives und als etwas Selbstverständliches zu empfinden.

 


 

D R .  J Ö R G   H A I D E R (FPÖ):

(war zu einer mündlichen Stellungnahme nicht bereit, schrieb uns jedoch:)

1. Es darf sich nicht wiederholen. Die Warnungen Professor Viktor Frankls müssen ernst genommen werden. Wenn Politik und Gesellschaft versagen, ist in jedem Land und gegen jede Gruppe von Menschen gewaltätiger Wahnsinn denkbar.

2. Die Demokratie stärken, Verhetzung und Ausgrenzung aller Art anprangern, offenen Dialog fördern, wirtschaftliche und soziale Zerrüttung des Landes verhindern, keine Toleranz gegenüber der Gewaltbereitschaft aufkommen lassen.

 


 

D R .  E R H A R D   B U S E K (ÖVP):

Jede Art von Mord kann und darf sich nicht wiederholen und dennoch müssen wir zur Kenntnis nehmen, daß in der Geschichte alles wiederkommen kann.
Was können wir tun als Politiker, als verantwortliche Minister:
Ich glaube, das wirklich wirkungsvollste ist, überall dagegen aufzutretenund sich nicht einfach zu verschweigen, um nicht später einmal sagen zu müssen: ich habe nicht rechtzeitig gehandelt, oder, was das Schrecklichste wäre: ich habe es gar nicht gewußt.

 


 

D R .  F R A N Z   V R A N I T Z K Y (SPÖ):

Zur Kernfrage: Kann sich soetwas wiederholen und ist soetwas überhaupt jemals wieder möglich, wird man sagen müssen: Es ist niemals ausgeschlossen, daß nicht der eine oder andere Narr oder der eine oder andere verbrecherisch Gesinnte oder der eine oder andere Fanatiker, politische Fanatiker, wieder sein Unwesen treiben kann.
Wir müssen allerdings in allererster Linie dafür sorgen, daß die Vorraussetzungen nicht wiederkehren.
Politischer Fanatismus entsteht nicht selten auf Grund dessen, weil bestimmte Gruppen von Menschen  in der Gesellschaft benachteiligt werden; weil sie zurückgestezt werden; weil ihnen die Teilnahme an den gesellschaftlichen Abläufen, sprich: Arbeit, sprich: Bildung, sprich: Ausbildung, sprich: Schule, sprich: Familie in irgendeiner Art und Weise verwehrt worden sind.
Daher ist das natürlich eine Angelegenheit der Politik im Staat, eine Angelegenheit der Partei, ich spreche von meiner Partei, der Sozialdemokratischen, aber in vieler Hinsicht eine Angelegenheit aller Menschen, die in diesem Land leben und die sich zu einem menschlichen Prinzip bekennen

Historisches – Eine Zusammenfassung
Gespräch mit Eduard Erne über den Film „Totschweigen“
Textauszug „März. Der 24.“
Alle Rechte für das Stückmanuskript seit 2004 wieder beim Autor.
Die Bühne - "März. Der 24."
Buchausgabe „Tetralogie der Nacktheit“
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