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Dominik Glaubitz als Ratte
"Monolog mit einem Schatten.
Windoper"

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Textauszug

„Monolog mit einem Schatten. Eine Windoper“

Musik: Wolfgang R. Kubizek
Libretto von Peter Wagner

 

 

 

Der düster eingegrenzte nackte Raum wird
von einem riesigen Kohlehaufen dominiert.
Auf seiner Spitze hockt
zugedeckt von einem riesenhaften Schatten
die Ratte.
Durch ein zerbrochenes Fenster
im Irgendwo pfeift der Wind.
Die Ratte wagt den Kopf nicht zu heben,
sie blickt verschüchtert rund um sich.

DIE RATTE
Scheißwind!
Alles hier in dieser Finsternis
könnte ich ertragen
Und auch die schwarze Kohle
von der ich fresse
will und kann ich gut ertragen
Auch wenn sie etwas trocken ist
Doch dieser Wind!

Der Wind legt noch etwas zu.
Die Ratte hält sich den Kopf.

DIE RATTE
Ziep, ziiep!
Was macht der Hund aus mir
Alle Dinge verdrehen sich
Ein Schwindel im Hirn
Fieber im Blut
ein Schleier über meinen Augen -
und schon wieder hab ich irgendeine Vision!
Erschrickt selbst vor diesem Wort,
sie ist überhaupt sehr schreckhaft und ängstlich.
Ich sehe Dinge, die es gar nicht gibt
dafür mit einer Echtheit, die mich glauben macht
ich sähe sie tatsächlich!
Wie schön wäre doch das Leben
ohne den verfluchten Wind!

Der Wind legt abermals zu,
der Schatten baumelt schon etwas heftiger.

DIE RATTE
Scheißwind! Scheißvisionen!
Ich weiß, dass es nicht sein kann
und dennoch seh ich vis à vis
knapp unterm Kellerfenster
eine riesige Gestalt
Sehr geduckt und ohne in ihre Richtung zu blicken.
Sie baumelt ganz gemächlich hin und her
als wär sie stranguliert
Aufgeknüpft ausgerechnet
an der gelben Gasleitung
Und wie zum Hohn für mein verwirrtes Auge
wirft sie ihren Schatten über mich
Auf dass mir noch das letzte Licht
in meinem ohnehin so finstern Loch
abhanden komme!
Verdammter Schwindel, infames Trugbild!
Ich bin eine Ratte
hab ich mir soviel unerwünschte
windbedingte Einbildung verdient?!
Rennt um den Kohlehaufen.
Ich schließe besser meine Augen
und warte, bis sich der Spuk von selber legt!

Die Ratte hockt sich auf den Kohlehaufen,
schließt die Augen
und legt die Hände an die Ohren.

DIE RATTE
So hör ich keinen Wind
so seh ich keinen Schatten

Der Wind legt sich etwas.

DIE RATTE
Das bringt überhaupt nichts!
Schließ ich die Augen
wird er nur umso größer
Und schließlich seh ich gar nichts mehr
Kein Wunder, könnte man nun sagen
mit zugemachten Augen sieht man nichts
Nur: ganz so einfach sind die Dinge nicht
Und es wäre keine elegante Lösung
sagte ich: ich hab die Augen zu
und also seh ich nichts!
Nein nein
es liegt ein Schatten über meiner Existenz
das macht mir Angst
das treibt mich in die Raserei
ja vielleicht sogar bis in den Wahnsinn!
Schrecklich: ich mit Schaum vorm Mund
mit verdrehten Augen
Zuckungen an allen Muskeln
und einem diabolisch blödsinnigen Feixen!
Richtet sich nun erstmals auf,
als wollte sie das Irgendwo
hoch über sich beschwören.
Herr, hab Erbarmen
mit Deiner unscheinbaren Kreatur!

Die Ratte zuckt in sich zusammen.
Öffnet nun ängstlich die Augen,
sieht sich vorsichtig um,
nimmt die Hände von den Ohren.

DIE RATTE
Habe ich "Herr" gesagt?
Ich habe doch hoffentlich nicht "Herr" gesagt!
Ich bin senil! Ich bin hysterisch!
Ich brauche frische Luft

Der Wind pfeift kurzfristig ganz besonders laut.
Die Ratte zuckt erneut zusammen.

DIE RATTE
Das ist es:
der Herr wirft seinen Schatten über mich!
Habe ich nicht geschworen
als ich zur Ratte wurde:
nur einem werde ich mich
jemals wieder beugen
nur einer stehe fortan über mir:
Gott, der Herr selbst
und sonst nichts und niemand!
Um Himmels Willen
Und nun hängst der Herr
in meinem Keller
an einem Strick
aufgeknüpft an einer gelben Leitung!

Die Ratte läuft nervös hin und her,
doch keine Ecke bietet ihr wirklich Schutz.
Schließlich nimmt sie sich den Mut
und spricht zum Irgendwo hoch über sich.

DIE RATTE
Zu groß bist Du, Herr, für eine kleine Ratte!

Der Wind klingt nun schon eher bedrohlich,
der Schatten kreist in großen Pendelbewegungen
über der Ratte,
die sich nun am Fuße des Kohlehaufens
zu Boden wirft.

 

 

Alle Rechte für das Stückmanuskript beim Autor.

 

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