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Begegnung Fremder mit
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"Oberwart. Mon amour"

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Textauszug

„Oberwart. Mon amour.“

von Peter Wagner

 

 

WANZ: Außerdem haben Sie eine abgründig schlechte Meinung von die Menschen, gnäFrau. Sie müssen acht geben, dass Ihnan nicht eine verflucht schwere Krankheit heimsuchen tut. Ich mein, momentan schaun´S ja noch aus wie das blühende Leben. ... Wann man sich die Kruckn halt wegadenkt.

MARGOT: Und ... was wäre das für eine Krankheit.

WANZ: Sie selber, nur Sie selber.

MARGOT: Ach ja.

WANZ: Ich mein, es ist ja jeder Mensch seine eigene Krankheit. Aber bei Ihnan ganz besonders.

 


 

 

WANZ: Jaja. Sie glauben, Sie können dem Wanz was vormachen. Sie halten mich schon die ganze Zeit für einen Trottel. Aber so einfach geht das nicht. So einfach wird man einen Wanz nicht los, wenn man ihm einmal auf die Zechen tritt.

MARGOT: Ich bin Ihnen auf die Zehen getreten?

WANZ: Weil Sie mich für ein Gfrast halten! ... Aber warten´S nur, wann wir einmal was zu sagen haben, wir, die Gfraster. Dann wirds anders ausschaun im Staate Österreich!

MARGOT: Davon bin ich allerdings auch überzeugt.

 


 

MARGOT: Fett bist du geworden. Hat sie gesagt. Man verändert sich. Du bist auch nicht jünger geworden. Wollte ich sagen. Ich habe nichts gesagt. Wieder einmal nicht. Weil es auch nicht stimmt. Weil sie sich überhaupt nicht verändert hat. Weil sie nicht einen Deut älter geworden ist. Weil sie ist, wie sie immer war. Wie hatte ich nur erwarten können, sie wäre plötzlich anders. Ein anderer Mensch. Der sich vielleicht sogar darüber freut, ihre Tochter wiederzusehen.
Tochter
Nein. Sie ist die geblieben, die sie immer war.
Nur ich habe mich verändert.
Fett bist du geworden.

 


 

MARGOT: Du läufst noch immer weg von dort, hat Hans gesagt. Selbst wenn du am anderen Ende der Welt bist, wirst du weglaufen von dort. Alles, was du jemals getan hast, jemals tun wirst, ist ein fortgesetztes Weglaufen vor deiner Vergangenheit. Solange du wegläufst, hat er gesagt, solange wirst du zurückmüssen. Und also ist auch alles, was du jemals getan hast und jemals tun wirst, geprägt von einem ständigen Zurück. Wenn du einen Stein in die Hand nimmst und ihn egal in welche Richtung wirfst, wirfst du ihn zurück in die Vergangenheit. Weil du nichts erledigt hast. Du wirst nie etwas in deinem Leben erledigt haben, solange du das dort nicht erledigt hast. Hat er gesagt. Dann ist er selbst weggelaufen. Hans. Und nicht mehr zurückgekommen. Für Männer gelten andere Gesetze. Für Männer von Frauen wie mir.

 


 

 

WANZ: Ist ja nur ein blauer Fleck, höchstens. Vergeht wieder. Alles vergeht im Leben. Manchmal, da geht einem eben die Kraft durch, wenn einer sie provoziert. Lassen Sie´s besser nicht drauf ankommen! Weil da hört Sie kein Mensch, und wenn sie noch so laut schreien. Und wenn Sie auch jemand hört, wird Ihnen trotzdem keiner helfen. Im Klartext. Da, schaun´S Ihnen die Händ einmal an, schaun´S genau hin ...

(Er hält ihr beide Hände unter die Nase.)

WANZ: Soviel Kraft musst einmal haben in die Händ als wie ich. Die Händ sind berühmt in der Gegend, glauben´S mir. Da pickt mehr Blut drauf als auf die Händ von an Peischlflicker.

 


 

MARGOT: Ich habe noch nie jemandem die Nase eingeschlagen oder den Kopf gequetscht. Obwohl kein Tag vergeht. Da ich nicht jemanden bespucken, zerkratzen oder auf diese oder jene Weise quälen, foltern, töten möchte. Es sind immer dieselben, die ich auf diese oder jene Weise quälen, foltern, töten möchte. Auch wenn sie immer neue Gesichter haben. Es sind immer dieselben zwei Gesichter. Die ich mit meinem Hass überziehe wie einen Apfel mit Zuckerguss. So süß. So zum Kotzen süß.

 

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