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Reaktionen
der lokalen Kirche auf „Teufel, Tod und Hex“
Auszüge aus der Kirchenzeitung „Kontakt“, September
1996
Einfach toll!
Vielerseits wurde das neue Burgspielstück „Teufel, Tod
und Hex“ schon vor seiner ersten Aufführung kritisiert.
Es sei ketzerisch, gotteslästerlich und provokant, wussten einige
schon lange vor der Premiere zu berichten. Ein Grund mehr für
mich, die Burgspiele erwartungsvoll zu besuchen. Und es war einfach
toll, was auf der Burg geboten wurde. Ein interessantes, leicht zu
verfolgendes Stück, eine wunderbar aufgebaute Bühne, einmalige
schauspielerische Leistungen und das Ergebnis eines großartigen
(ehrenamtlichen!!) Einsatzes vieler Mitwirkenden. Weiters stellte
sich heraus, dass die vielkritisierten Passagen im Stück auf
wahren Begebenheiten in der Zeit des Mittelalters beruhten. Traurig,
ab so war es eben wirklich.
Leserbrief

Wo bleibt die Achtung?
Am Vorabend meiner Nachprimiz in Güssing wurde ich zu den Burgspielen
eingeladen. Schauspielerische Leistung und gut durchdachte Setzung
von Symbolen und Anspielungen im Werk „Teufel, Tod und Hex“ wurden
geboten. Der Kaplan verkörperte eine sehr zwielichtige Figur.
Als neuer Kaplan von Güssing verkroch ich mich in ziviler Kleidung
unter den Menschenmassen. Die Glut der Motivation und der Begeisterung
für die Sache Jesu in der Kirche waren unter der dicken Asche
von geschichtlicher Schuld und Versagen für einige Zeit begraben.
...
Auf die Trennung von innerer Wertigkeit der christlichen Religion
und der daraus resultierenden Praxis scheint im Feuer der Freizügigkeit
von Kunst in diesem Stück vergessen worden zu sein. ... Wo bleibt
der Respekt in diesem Stück für jene Menschen, die es in
ihrem Leben gut meinten? Ihre Glut ist unter der Asche der Schuld
nicht erstickt, und deshalb soll auch die Motivation für Kirche
und Gesellschaft in unseren Tagen nicht erlahmen.
Br. Matthias ofm

Besorgt!
Als Seelsorger habe ich überlegt, ob ich mich zu Burgspielen äußern
sollte. Einerseits bekam ich als Antwort auf meine Frage: „Wie
wars“ ein „Na ja, es war damals wirklich alles so“,
andererseits ein: „Am schnellsten alles vergessen.“ Nach meinem Urlaub bekam ich den Rat, alles in Ruhe zu lassen. Es
sei vorbei. – Da aber ein Leserbrief das Thema anspricht, möchte
auch ich meine Meinung frei äußern.
Einleitend möchte ich meine Besorgnis über die Bemerkung „es
war doch alles so“ ausdrücken. Was „alles“? „Es
ist doch aus den Chroniken entnommen“, behauptet man. Wirklich
alles? – Man weiß doch, dass manche Taten von Psychopathen
ausgeführt wurden, und nicht von allen. Man weiß auch,
dass manches von Psychopathen geschrieben wurde und den Tatsachen
nicht entspricht.
So sind auch die sogenannten „Tatsachen“ zu betrachten,
die uns da auf drastische Weise vorgeführt werden. (Kleiderfetischismus,
Zungenquälerei, ...)
Wird man eines Tages auch unsere Zeit nach
den Berichten des ORF über
die ausgestochenen Augen im Krieg in Exjugoslawien beurteilen und
uns alle als dumme und böse Menschentiere betrachten? ...
Am
Tag der Premiere musste ich einer äußerlich sehr ähnlichen
Darstellung eines Begräbnisses zuschauen und wusste aber schon,
dass ich in zwei Tagen wirklich einen Christen verabschieden werde! Äußerst
geschmacklos wäre diese Darstellung der Welt der Illusion und
Phantasie auch dann noch, wenn sie von „Fremden“ gespielt
würde! Aber von der eigenen Gesellschaft und religiösen
Familie??? Was wird man uns noch eines Tages aufzwingen im Namen
der „Provokation“. Wohin will man „provozieren“?
Laut „Kathpress“ kein Wunder: 70% Eltern wünschen
sich nicht, dass ihre Kinder dem Priesterberuf folgen. Welche vernünftige,
liebende Eltern werden ihre Kinder SO einem Ruf ausliefern??? Und
bitte sich hier noch mal die vorher gelesenen Zeilen vor Augen zu
halten: BITTE. ...
Wer und wann wird in den Herzen der Zuschauer die
guten Gefühle
wecken? Ich kam nach Hause, setze mich vor das fragliche Spielzeug
für Erwachsene – den Fernseher – und siehe da: „Das
Erdbeben in S.Franzisko“. In diesem Film konnte ich wieder
in einer Welt voll fast heroischer Nächstenliebe aufatmen. Am
letzten Tag der Burgspiele konnte ich den zweiten Teil nachholen.
Zur schon oben gemachten Bemerkung über die „Zungenquälerei“ habe
ich mich nur gefragt, ob es jemanden eingefallen ist, dass solche
Bilder in 5 (!) Dimensionen – (Geschrei und Brandrauch) noch
dazu übernatürlich vergrößert – einen
psychischen Schock bei den zuschauenden Kindern (und nicht nur bei
ihnen!) auslösen konnte oder schon ausgelöst hat? – Das
müssen wir oft als Beichtväter (oder Psychiater ...) erst
versuchen auszubessern! ***
Es gab auch noch eine Bemerkung voller
Resignation. „Wenn
der Mensch nicht das hat, was er liebt, liebt er das, was er hat.“ Haben
die Güssinger schon alles ausgenützt, um das Beste aus
den Burgspielen zu machen?
Bis zu diesem Zeichen *** habe ich den
Text noch am Sonntag niedergeschrieben. Am Montag musste ich bei
einer Übergabe des Klosters sein; wie
ich nach Güssing kam, erreichte mich die Nachricht von der Beschädigung
der Gräber auf unserem Friedhof. Ich konnte mich nicht von dem
Gedanken befreien: „Kein Wunder, wenn man sich über eine äußerlich ähnliche
Beerdigung lustig gemacht hat, warum sollte man menschlichte Achtung
haben vor ´nur zwei gekreuzten Balken´ für manche?“ Es
ist niemand persönlich gemeint, nur die Sache, das Geschehen
stand mir vor Augen.
Meine Hochachtung allen ehrenamtlichen AkteurInnen,
die ihre Zeit und Fähigkeiten so prachtvoll ausnutzen konnten.
Besorgt P. Marcellus


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